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Bedeutsame Geschehnisse aus der Geschichte der Jungschützen-Bruderschaft

Im Laufe ihrer Geschichte benötigten die Hirschberger Jungschützen häufiger eine neue Vogelstange; so im Jahre 1684, als ihnen der ehemalige Bürgermeister Heinrich Plotzger im Namen des Rates das dafür nötige Holz zuwies; im Jahre 1698, als der ehemalige Bürgermeister Andreas Rudolff, der Kämmerer Johann Pieper und die drei Vorstandsmitglieder Heinrich Prein, Johann Weishoff und Nikolaus Kaltener den angewiesenen Stamm gemeinsam zum Schützenplatz brachten; und im Jahre 1747, als die Vertreter des Rates, der ehemalige Bürgermeister Pape, und die beiden Kämmerer Dietrich Adrian und Jakob Conradi dem Richtmann Max Hirnstein, dem Fähnrich Anton Dolle und den beiden Scheffern Jakob Weisthoff und Johann Heinrich Köster gegen ein geringes Entgelt einen passenden Baum überließen.

Im Jahre 1772 entschlossen sich die Jungschützen überraschend, aus heute nicht mehr zu ermittelnden Gründen, ihre Gesellschaft aufzulösen und die Feier der Seelmessen einzustellen. 1773 wurde die Bruderschaft jedoch wieder aufgerichtet, man ließ sogar den im Vorjahr ausgefallenen Gottesdienst nachholen.

Bisweilen scheinen es die Junggesellen während ihres Schützenfestes so arg getrieben zu haben, daß sie sogar die in diesen Dingen gewiss nicht zimperlichen Hirschberger verärgerten.
Am 5. Juni 1697 fand auf dem Hirschberger Rathaus eine Gerichtsverhandlung der Stadt Hirschberg gegen die JunggeselIen-Schützenbruderschaft statt. Diese wurden durch Richtmann, Scheffer und Fähnrich vertreten, denen man vorwarf, ihre Kollegen hätten während des Gelages gegen "gemeine schutzen regulen" verstoßen und allerhand Mutwillen getrieben.
Am Hagelfreierstag habe man während der Frühmessen getrommelt und am folgendem Tag hätten sich einige von ihnen selbst vor eine Karre gespannt, ihren Trommler hineingesetzt und wären mit diesem durch die Straßen gezogen, wodurch sie ärgerlichstes Aufsehen erregt hätten (man kann sich sicherlich vorstellen, in welchem Zustand sich die Teilnehmer dieses Umzuges befunden haben müssen).
Die Angeklagten verteidigten sich damit, daß ihres Wissens niemand zu Schaden gekommen wäre, die Karre hätten sie niemand entwendet, "es wehre ihres wirtts kaar gewesen, welcher nichts darumb geklagt hette". Das Trommeln am Morgen wäre doch üblich, damit die Schützen sich versammelten, um an der Messe und der Prozession teilzunehmen und diese nicht zu verschlafen. Man sei sich also keiner Schuld bewußt und bitte um Freispruch.
Der Magistrat forderte sie daraufhin auf, ihre Satzung beizubringen, um feststellen zu können, was darin über solches Treiben ausgesagt wäre. Der Vorstand legte die Schützenrolle auch vor, weil er dies auf die Aufforderung des Rates nicht verweigern durfte und bat, ihr kurzweiliges Handeln zu übersehen und, weil nichts Böses geschehen wäre, niemanden zu hart zu bestrafen. Man könne ja die, die die Karre gezogen hätten, und die, die dabei gewesen wären, noch einmal befragen und dann entsprechend urteilen.
Sie wären auch damit einverstanden, mißbräuchliche Dinge abzuschaffen, aber bei ihren herkömmlichen Rechten, Gewohnheiten und Gebräuchen, die zum Teil älter als 100 Jahre wären, möge man sie doch bitte belassen.
Nach diesem Plädoyer wurde die Verhandlung auf den 8. Juni vertagt. Beim erneuten Zusammentreten verlas man den Beklagten ihre Statuten und forderte sie auf, diejenigen zu nennen, die beim Umzug mit der Karre dabei gewesen wären. Dies waren der Trommler; Baldtz Becker; Hermann, der Knecht des Bürgermeisters Andreas; Andreas Böckler; Michael Adrians und Lambert Spindeldreier. Die Genannten betonten aber, daß das Herumfahren nur geschehen sei, um mit dem Trommler Schabernack zu treiben, und daß dabei, wie gesagt, niemand eine Verletzung davongetragen hätte. Das Gericht verkündete abschließend folgende Strafe: Alle die, die zugegen waren als während der Messe getrommelt wurde, wurden zu einer Geldstrafe von einer Mark (nach damaligem Geldwert sicher eine recht ansehnliche Buße) verurteilt.

"Ob woll die beklagte vorschutzen wollen, das das freche trummelen auft dem hagelfreyers tag, umb ihre gesellschafft beysahmen zu fordderen, undt sonsten aus gutem eyffer geschehen wehre, weilen dannoch solches penes alios ärgerlich aufgenohmenen undt sie billig hetten wartten sollen, bies die burger Tromme irst wehre geruhret worden".
Diejenigen, die beim Umzug mit der Karre dabei gewesen waren, wurden zur Zahlung von 3 Mark verurteilt, mit dem Hinweis, dies in Zukunft zu vermeiden und sich den Regeln entsprechend zu verhalten.

Immerhin schlug das Benehmen der Junggesellen während dieses Festes aber so hohe Wellen, daß sogar der kurfürstliche Richter versuchte, das Verfahren vor seine Schranken zu ziehen. Nun setzte sich der Rat für seine Bürger ein und betonte in einem Schreiben an die westfälische Kanzlei des Kurfürsten in Arnsberg, daß es nicht nötig sei, das Verfahren noch einmal zu eröffnen, da er die Übeltäter bereits vor dem Stadtgericht abgeurteilt habe. Dieser Bitte wurde stattgegeben und dem kurfürstlichen Richter am 21.6. aufgetragen, die Hirschberger Bürger nicht weiter zu belästigen (diese Anweisung trägt die Unterschrift des Landschreibers in Arnsberg).

Beim ersten großen Stadtbrand Hirschbergs am 21.9.1778 verbrannten den Schützen sämtliche Kleinodien, bis auf die alte, heute nicht mehr erhaltene Rolle, die vom Scheffer Christoph Buse gerettet wurde und die bekanntlich Johann Franz Brisgen 1791 als Vorlage benutzte. Man kaufte damals eine neue Fahne für 20 Reichstaler, und in Warstein ließ man eine neue Trommel anfertigen.

Zwölf Jahre später bekamen die Jungschützen abermals eine neue Vogelstange, die von dem Richtmann Franz Anton Heppelmann, dem Fähnrich Anton Böckeler und den beiden Scheflern Wilhelm Stork und Kaspar Köster am alten Platz aufgerichtet wurde. Das Holz dazu, man hatte nur das Stammgeld zu bezahlen, wurde ihnen vom Bürgermeister Johann Engelhard Brisgen und den beiden städtischen Kämmerern Kaspar Adrians und Steffen Calles zugewiesen.
Im Jahre 1817 war diese schon wieder so morsch, daß sie zusammenstürzte, und man sich wiederum um eine neue bemühen mußte.

"1817 den 27ten Mey
Demnach die Vogelstange der jungen gesellen vor einigen tägen durch einen besondern zufall, Ruinirt, Somit eingestürtzt. So wurde untter den Richtleuten und Schäffern als Namentlich Franz Rath, richtman, Kaspar Dröge Schäffer, Georg Platte Fenrich, Wilhelm Baronowski Schreiber, und Jakob Köster erster, Franz Himstein zweiter Wilm Humpert driter Korporal. Der beschluß dahin gemacht, Nachdem Schon früher mit dem Kaspar Heppelman der Akort getroffen, Das er für die Summa ad 10 rhr eine neue Vogestange aufbauen wolle, und das dazu nöthige holtz wurde mit vorwissen des dermahligen stads vorstands, durch den zeitigen Förster Himstein angewießen, und das erforderliche holtz wie gebrauchlich ohne zu bezahlen hergegeben. Dießer zufall- und begebenheit ist durch eintragung in gewärtige Schützen Rotula unßer löblichen nachkommenschafft hiemit aufbewahrt worden

Wilhelm Baronowski Schützen-Schreiber"

Im Jahre 1823 bekam die Gesellschaft von Friedrich Wilhelm Böckler, der von den Schützen als König angenommen worden war, nachdem sein Vater im Jahre zuvor den Vogel abgeschossen hatte, die Kette überreicht, die noch heute der Hirschberger Schützenbruderschaft als Königinnenkette dient. Es ist dies das erste Mal, daß im Protokollbuch ein König Erwähnung findet. Erst ab 1833 taucht er regelmäßig in den Vorstandslisten auf.

"Zur Nachricht,
Im Jahr 1822 auf Pfingstdienstag wurde von dem zu Werden angestellten - Einem Sohne aus Kühlem HauBe dahiernamens Friedrich Ernest Böckeler der Vogel abgeschossen, und dessen kleinerer Sohn Friedrich Wilhelm Böckeler von der ganzen Schützen-Gesellschaft als König angenommen.
Im Jahr 1823 erschiene der Vorgemelter Sohn Friederich Wilhelm Böckeler von Werden, und wohnte dem Schützengelache bei - und überreichte sodann der Schützengesellschaft zu einem ewigen Andenken zu Präsent ein silbernes Wappen, worauf ein Hirsch angebracht, mit der Umschrift /: Junge=Schützen=Compagnie zu Hirschberg 1823. Friedrich Wilhelm Böckeler:/ sich befindet - an einer silbernen Kette hängt - und 6 1/2 Loth wiegt.
Dieses Wappen solle bis zu den ewigen Zeiten von dem Jedesmaligen König alljährlich bei der Haupt = Prozession und bei allen öffentlichen Aufzügen, wann die Schützen = Compagnie Ausrückt an einem seidenen Bande getragen werden.
Indem hiemit dem vorbemelten Vater Friedrich Ernest Böckeler und dessen Sohn Wilhelm Böckeler von der ganzen Gesellschaft der Verbindlichste Dank abgestattet wurde, ist dieses zum Andenken, und Erinnerung der Nach-kommenschaf in die Schützen Rolle Eingetragen - und die folgenden Richtleute zu einer getreuen Aufbewahrung des Wappen Verpflichte und Verbindlich gemacht.
Vorstehendes wird zur Beglaubigung mit der Unterschrift der Richtleuten hiemit bescheinigt.

In Festo pente Costes 1823
Adolph Zeiger als Richtman
Anton Deittenberg Querschefter
Christian Platte Unterscheffer
Joh. WiIh. Geisler als Fenrich
Vorstehende Unterschriften der Richtleute beglaubigt
Anton Brisgen
als Schreiber"

Im Jahre 1829 kauften die Schützen für 27 Reichstaler und 9 Silbergroschen preußischer Währung eine neue Fahne in den Farben braun, blau, grün und weiß.

1840 benötigte man schon wieder eine neue Vogelstange, denn "am 21. Januar ist die von Alter verfaulte Vogelstange abgewehet". Die Richtleute der Gesellschaft wurden alsbald mit der Bitte um neues Holz und die Erlaubnis zur Aufrichtung an der üblichen Stelle beim Stadtvorstand vorstellig. Es ergaben sich aber einige Schwierigkeiten, denn mehrere Hirschberger protestierten sogleich beim Amtsbürgermeister in Warstein dagegen, daß die seit alters auf dem Grundstück des verstorbenen Caspar Köster stehende Vogelstange erneut dort aufgerichtet wurde, weil bekanntlich während des Schießens am Pfingstdienstag alle umliegenden Gärten und Wiesen zertreten würden und die Stange zu nah am mittlerweile neu errichteten Wege von Hirschberg nach Warstein liege, was zu gefährlichen Situationen führen könne. Der Amtsbürgermeister schrieb darauf den Junggesellen, daß gemäß den bestehenden Verordnungen alle Vogelstangen und Schießscheiben nicht in der Nähe von Straßen und Wegen errichtet werden dürften. Da die ihre zu nah am Wege Hirschberg - Warstein errichtet sei, müsse er sie auffordern, diese 200 Ruten von der Straße entfernt aufzustellen; Falls das nicht möglich sei, bitte er um weitere Vorschläge. Die Aufrichtung am jetzigen Platz bleibe jedenfalls untersagt.
Die Jungschützen bekamen schließlich doch ihren Willen. Sie errichteten die Vogelstange an der alten Stelle, wenn auch weiter von der Straße entfernt, und erhielten ebenfalls das nötige Holz, hatten aber ein Stammgeld von einem Pfennig pro Fuß zu entrichten.
In diesem Jahre begleitete mit Zustimmung des Vorstandes erstmals eine Königin den Umzug der Gesellschaft. Der König Anton Aßmann erwählte sich Agatha Aderjans zur Mitregentin; allerdings blieb es weiterhin dem König überlassen, ob er sich überhaupt eine Königin erkor, und wen er dazu annahm.