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Die Schützenbruderschaft nach dem 2. Weltkrieg

Auf den Tag genau vier Jahre nach dem Ende des Krieges und zehn Jahre nachdem das letzte Hochfest stattgefunden hatte, regten sich die Schützen zu neuer Tätigkeit.

Eine Generalversammlung vom 8. Mai 1949, an der 100 Personen teilnahmen, beschloss in diesem Jahr wieder ein Schützenfest zu feiern. Man wählte einen neuen Vorstand (die Wahl bestätigte eine im gesamten öffentlichen Leben des damaligen Deutschland festzustellende Tendenz, dass nämlich zu einem großen Teil die gleichen Personen, die vor und während des Krieges, allerdings unter anderen Prämissen, führende Positionen bekleidet hatten, nach dem Kriege gleich wieder in die ersten Ämter einrückten) und ein neues Offizierskorps. Zwei weitere Versammlungen am 16. und 17. Mai entschieden über die Bedingungen für den ,Restaurationsverding' und die Frage der Festmusik. Die Schänke wurde dem Gastwirt August Baronowsky für 850 DM übertragen, die Musikkapelle Hirschberg bekam 350 DM und das Tambourkorps Hirschberg 50 DM für die Gestaltung des musikalischen Rahmens. Vor Beginn des Festes, das in altüberkommener Weise zu Pfingsten (5./6./7. Juni) gefeiert werden sollte, waren jedoch Schwierigkeiten großen Ausmaßes zu überwinden. Das betraf insbesondere die Instandsetzung der Schützenhalle, die den Vorstand vor eine nahezu unlösbare Aufgabe stellte. "Fast die ganze Inneneinrichtung war abgebrochen oder gestohlen der Fußboden faul und sämtliche Fensterläden zertrümmert. Die Instandsetzungskosten wurden auf etwa 25000 DM veranschlagt. In dieser kritischen Situation bewies die Hirschberger Bevölkerung ungeahnten Gemeinschaftssinn. Jung und alt erklärten sich bereit, unentgeltlich bei der Renovierung mitzuarbeiten. Materialkosten und Handwerkerlöhne für solche Tätigkeiten, die nicht in Eigenleistung ausgeführt werden konnten, wurden durch freiwillige Beiträge und Spenden beglichen. Die Stadt lieferte kostenlos das erforderliche Holz. Es gelang die Halle soweit wieder herzurichten, dass das Schützenfest wie geplant zu Pfingsten gefeiert werden konnte. Es nahm den schon vor dem Krieg üblichen Verlauf, beginnend mit einem Konzert am Sonntagnachmittag. Der Montag stand wiederum ganz im Zeichen des alten Schützenkönigs. Da der letzte Vorkriegskönig Heinrich Gierse gestorben war, übernahm der schon 70-jährige Jubelkönig Franz Platte diese Würde; eine
sicher nicht ganz einfache Aufgabe, wenn man bedenkt, dass er die Schützenprozession und den Festzug mitmarschieren mußte.
Die über 65 Jahre alten Schützenbrüder erhielten währen aller drei Tage Freibier, um die Erinnerung an diese früher bei allen Bruderschaften übliche Einrichtung wach zu halten.

Der Pfingstdienstag begann um 8 Uhr mit der Schützenmesse, anschließend zog man zum Vogelschießen, das in diesem Fall mehrere Stunden dauerte, weil aufgrund einer Verfügung der Militärregierung nicht mit dem Gewehr, sondern nur mit der Armbrust geschossen werden durfte. Am Schießen beteiligten sich überwiegend die jüngeren Schützenbrüder, von denen Fritz Schleimer schließlich die Königswürde errang. Er wählte sich Gertrud Bräutigam zur Königin, Geck wurde Ernst Schrewe. Allein die Tatsache, dass diesem Fest im Protokollbuch ein Bericht von vier Seiten Länge gewidmet ist, verdeutlicht, dass diese erste Nachkriegsfeier ein ungeheuer einschneidendes Ereignis für die Bevölkerung war, und dass sich das alltägliche Leben langsam zu normalisieren begann.

Die Feste der nachfolgenden Jahre wurden dann bis heute weiterhin in dieser traditioneller Weise gefeiert.